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Flugpionier Franz Stolz ins Bild gesetzt
„Torpedo-Flugmaschine“ in der Carl-Franz-Halle
Transatlantische Zusammenarbeit führte zur Lösung
Die ungelaufene Ansichtspostkarte zeigt einen Mann mit Dienstmütze in einer Wirtshaushalle und vor ihm eine abenteuerliche Flugmaschine auf vier Rädern. Der einzige konkrete Hinweis auf der Rückseite: „H. Greiser, Rastatt“. Dieses Bilddokument fiel im März 2013  dem amerikanischen Posthistoriker Rob Haeseler an der „Amerikanischen Philatelistischen Bibliothek“ in Pennsylvania in die Hände und ließ ihm keine Ruhe.
Rob Haeseler wollte wissen, wer dieser „mysterios man and his flying machine“ ist. So wandte er sich an das „National Air and Space Museum“ in Washington und die dortige Kuratorin Evelyn Crellin. Diese hatte wiederum Glück, dass an der US-Einrichtung gerade die deutsche Historikerin und Luftfahrtexpertin Evelyn Zegenhagen tätig ist. Die Autorin und mehrfach ausgezeichnete Luftfahrtspezialistin wandte sich, wie sie schreibt, an einen „der besten Experten zur frühen deutschen Luftfahrt“, Stefan Blumenthal, bei Günzburg
.FlugmaschineH.GreiserHalle_web
Dieser kombinierte blitzschnell und fand in dem Rastatter Verleger Dietmar Greiser eine Kontaktperson in der Stadt an der Murg. Evelyn Zegenhagen hatte mit ihren Washingtoner Kollegen die Aufnahme auf vor 1910 datiert und lag damit nicht schlecht. Vom Rastatter Stadtarchiv kam dann die Lösung. Im Mai 2011 hatte der Rastatter Autor von historischen Artikeln, Franz Mors, im „Badischen Tagblatt“ einen Artikel unter dem Titel: „Vor 100 Jahren: Erster Flieger über Rastatt“, verfasst. Eine Hommage in diesem Artikel ging auch an den Niederbühler Schlosser Franz Stolz.
Nach Franz Mors hatte der Meerrettichdörfler bereits 1899 den fliegenden Kisten seine Aufmerksamkeit geschenkt und wurde auf seine Art zu einem Flugpionier. Vor einem schwierigen finanziellen Hintergrund baute Franz Stolz 1909 eine Flugmaschine. Und hier kommt der Hintergrund des transatlantischen Postkartenrätsels zum Tragen. Der Niederbühler organisierte zur Finanzierung seines Projekts eine „Luftschiff-Ausstellung“ in der ersten „Carl-Franz-Halle“ (gegenüber des Karlsruher Tors). Franz Mors berichtet von 30 Pfennig Eintritt und einer präsentierten „Torpedo-Flugmaschine“.
Dieses deckt sich zu 100 Prozent mit der kuriosen Rastatter Postkarte, welche amerikanischen Luftfahrtexperten Bewunderung abrang. Leider fehlen noch weitere Informationen zu dem wagemutigen Niederbühler Flugpionier Franz Stolz. Sein „Torpedo-Flug-Traum“ musste er jedenfalls im Dezember 1909 versteigern lassen. Für 200 Mark erwarb der Wirt der jüdischen Wirtschaft „Rössl“ in der damaligen Hildastraße, Karl Kirschemann, die kuriose Flugmaschine. Auch für Expertin Evelyn Zegenhagen ist durch eine transatlantische Kooperation das Rätsel um ein fotografisches Unikat gelöst.
Rainer Wollenschneider
Bild: Als Ergänzung zu einem BT-Artikel von 2011 kam nun aus den USA die Ablichtung einer Postkarte aus dem Jahr 1909 mit dem Niederbühler Flugpionier Franz Stolz in der „Franz’schen Halle“.
Text und Repro: Wollenschneider
24,05,2013

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